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14. Oktober 2014

Von letzten Chancen

Ein Berliner Sommer ist bunt, warm, laut, sprudelig, lebendig, lustig, abwechslungsreich und voller Möglichkeiten, seine Zeit zu vertun. Die Berliner sitzen mit Vorliebe in Cafés und Bars, draußen in Parks, durchkämmen die Straßen, lauschen den Straßenmusikern und genießen das Leben in all seiner Vielfalt. 
Der Berliner Sommer ist ziemlich wunderbar.

Aber dann ist da noch der Winter.

Von jetzt auf gleich verschwinden die Menschen fast vollständig aus dem Stadtbild, vergraben sich tief in ihren Wohnungen und fallen in einen ca. 8-monatigen Winterschlaf. Denn wo andererorts in Deutschland der Winter vielleicht von Dezember bis Februar dauert und man noch Daumen drücken muss, ob überhaupt eine Flocke vom Himmel segelt (als Kind des Niederrheins kenne ich die schneelosen Winter! Das war die Regel, nicht die Ausnahme..), heißt es von Oktober bis Mitte Mai in Berlin hoffen, dass die S-Bahn fährt, bibbern vor dem "sibierischen Ostwind" und 2 Schuhgrößen zusätzlich, damit die 5 Paar übereinandergezogenen Socken auch darin Platz finden. Die Sonne verschwindet, als hätte es sie nie gegeben und taucht erst Ende Mai wieder auf, um scheinheilig ganz nahtlos von tiefstem Winter zum Hochsommer überzuleiten.

Warum diese lange Einleitung? 
Nun, heute ist der 14.Oktober. 

Falls der ein oder andere Leser aus der Nähe von Berlin stammt und vorhat noch ein paar letzte, helle, fröhliche Momente zu erleben, bevor die eben beschriebene Schreckensvision eintritt, muss er es bald tun! Noch erlässt der Herbst eine allerletzte Gnadenfrist, ein paar letzte schöne Tage. Wer sich noch fragt, wie er die am schönsten, am entspanntesten verbringen kann, für den gibt es jetzt noch einen letzten Ausflugstipp:

Wie wärs mal mit einer Fahrt zur Pfaueninsel?
Wir haben mit Freunden vor kurzem einen Ausflug dorthin unternommen und mit aller Macht die warmen Sonnenstrahlen gespürt, die schöne Aussicht genossen, um sie tief im Gedächtnis zu vergraben, damit sie uns die nächsten 8 Monate überstehen lassen und von vergangenen Sommern erzählen..

Mit einer Fähre übersetzten wir zunächst die paar Meter über den Wannsee über.
 
Das Wetter meinte es richtig gut mit uns (Merkt euch diese Worte, "Das Wetter meinte es richtig gut mit uns" - sie werden schon bald aus meinem aktiven Wortschatz verschwunden sein und nur noch als schwache Erinnerung über einem Gemisch aus Seufzen und Zähneklappern wabern). 
 Die schöne Umgebung und das Glitzern des Wassers tat sein Übriges.

 Das Einzige, womit ich mich ehrlich gesagt wenig anfreunden konnte, waren alle Formen der "Bebauung", die diese sonst so schöne Insel dem Besucherauge aufbürdete. Nachgebaute "Ruinen", Pseudo-antike Tempel und dieses Schlösschen aus..., ja aus was eigentlich? Pappmaché? ließen mich trotz des guten Wetters schaudern und erweckten ein bisschen den Eindruck, man befände sich in einer spaßbefreiten Form von Disneyland...

Wir waren schon halb über die Insel rüber, als uns dann das erste Mal jener Vogel begegnete, der ihr ihren Namen gab. Leider konnten wir ihn nicht dazu bringen, sein berühmtes Rad zu schlagen, aber auch so muss man sagen, dass sich Pfauen zumindest als Bildmotiv ganz ordentlich machen!

 
Zurück hatten wir das Glück, in einem "historischen Bus" transportiert zu werden - wobei ich schätze, dass dieses "historisch" dann doch nicht ganz soweit in die Vergangenheit zurückreicht. Das Gefährt kam mir eher vor wie ein Bus aus den 60er/70er Jahren (wobei ich zugeben muss, dass meine Kennerschaft auf diesem Gebiet doch eher etwas verkümmert daherkommt...).  

Alles in allem ist die Pfaueninsel aber für all jene ein schöner Ausflugsort, die ein bisschen ins Grüne kommen, die Seele baumeln lassen und Spazieren gehen wollen. Disneyland mag da vielleicht aufregender sein, aber hier wird man zumindest nicht von lebensgroßen Stoffmäusen belästigt.

5. Oktober 2014

Ein bisschen Hedonismus

 
Wenn man, wie ich, mit einem Haufen Geschwistern aufwächst und sich dann irgendwann entschließt, in die weite Welt *hüstel* hinauszuziehen, hat das den unerwarteten Effekt, dass man plötzlich zu schätzen lernt, was die ersten 18 Lebensjahre oft seufzend als "Schicksal" hingenommen wurde:
Dauernde Gesellschaft, ewige Kabbeleien, die Bedeutung des Wortes "Teilen" und die eigene Nase im Antlitz des Gegenübers.

Und ja, klar: plötzlich vermisst man sie, die bucklige Verwandtschaft. Dann kann es das höchste Glück bedeuten, den schönsten Tag, wenn sich die Gelegenheit ergibt, gemeinsam Zeit zu verbringen - so geschehen diese Woche. Ich hatte schwesterlichen Besuch von A. und M. und gemeinsam haben wir alles gemacht, was wir lieben, alte Gewohnheiten wieder aufleben lasse und zusammen Neues erlebt.

Zunächst ging es stöbernd durch Berlin. Dort entdeckten wir das absolut authentischste, bilderbuchhafteste Antiquariat, das man sich vorstellen kann. In einem kleinen Laden genannt "Die Geisterschmiede" stapeln sich die Bücher bis zur Decke, in den Regalen stehen sie in mehreren Reihen hintereinander und die Gänge dazwischen sind so schmal, dass sich maximal eine Person auf einmal durchzwängen kann. Der kauzige, schon etwas betagte Inhaber hat jedoch den Überblick und läuft mit einer kleinen Leiter durch die Gänge um das erfragte Buch aus unermesslichen Höhen und Tiefen dieses Labyrinths zu fischen. Die Bücher gibt es etwa zur Häfte des Ladenpreises, sie sind meist gebraucht aber oft noch gut erhalten.


An einem sonnigen Tag durch die schönen Ecken Berlins zu spazieren - da kann man dieser Stadt fast den ganzen Lärm und Dreck, die unangenehmen Gerüche, langen U-Bahn-Fahrten und die ruppige Mentalität verzeihen, über der man an anderen Tagen zu verzweifeln droht. Denn an so einem Tag, da sind die Auslagen in den Läden plötzlich doppelt charmant, die Blumen duften intensiver, die Farben leuchten stärker, die Luft ist frischer und das Eis schmeckt cremiger.


Das Gute an der Gesellschaft von genetisch ähnlich gestrickten Personen: Man hat die gleichen Gelüste, Vorlieben, Marotten und Bedürfnisse. Bei uns heißt das: Süßes, Schokolade, Kuchen, Eis und alles andere, das den gemeinen Diabetiker flugs in den nächsten Zuckerschock stürzen würde. Im Olivia gibt es Pralinen, selbstgemachte Tafeln Schokolade, Kuchen im Glas und vieles mehr, was unsere kakaolüsternden Herzen schneller schlagen lies.


Aber hier holten wir uns nur einen kleinen Appetizer, um dann im Kuchenrausch in selbigen zu verfallen. Und nicht das Rechnen fällt uns schwer, sondern vielmehr das Entscheiden. Hier hat man die Qual der Wahl und dann werden es am Ende halt 4 Stück Kuchen für 3 Personen. Was soll der Geiz!


Mein Favourit ist übrigens der Mango-Käsekuchen. Der war an diesem Tag aber leider ausverkauft und so wurde es ein wahnsinnig schmelziger, äußerst schmackhafter American Cheesecake.


Aber sein wir mal ehrlich, obwohl wir natürlich alle hochmotiviert, voller Elan und Tatendrang so durch Berlin streiften, Kunstmuseen und andere Kulturgüter genossen und währenddessen gefühlt 20.000 Kalorien verdrückten, wäre es wohl üble Augenwischerei, wenn ich verschweigen würde, dass wir einen Gutteil unserer gemeinsamen Zeit in etwa so verbrachten: 

Im Bett mit Tee, Snacks, den Gilmore Girls und schönster, einfachster Gelassenheit im Angesicht des Überangebots an Unterhaltung und Beschäftigung da draußen.

23. September 2014

Die Berliner...

...die spinnen manchmal echt total. 
Montag-Nachmittag, 16 Uhr, verhangenes Wetter in Berlin Mitte. Meine liebste, sehr vermisste Ehemals-Mitbewohnerin I. und ich wollten mal wieder in aller Ruhe zusammen einen heißen Kakao trinken gehen (für sie Kaffee, für mich nur Kakao, Kaffee trinke ich wohl erst, wenn ich irgendwann mal erwachsen bin - höhöhö, als ob!), um einander all das Leid zu klagen, mit dem man sich als junger Mensch in dieser Stadt so rumplagen muss (dazu ein ander mal mehr). Ich hatte ein süßes Café nahe meiner Arbeitsstelle aufgetan, das ich à la "Schau-wie-gut-ich-mich-schon-in-Berlin-auskenne-ich-habe-bereits-Geheimtipps" präsentieren wollte. Wir purzeln also in den Laden, rosige Wangen vom kalten Wetter, freudestrahlend, da steht doch tatsächlich auf jedem zweiten Tisch ein Kärtchen: "reserviert".

Im Café.
An einem Montag.
Um 16 Uhr!

Ich sag's ja, die Welt geht vor die Hunde.... Wir wurden also prompt samt rosiger Wangen und ehemals-guter Laune schnöde abgewiesen und hinaus in die harte, kakaolose Realität komplementiert. Wir taumeln also so durch die Gassen, heimatlos, hilflos, frierend und haben schon fast den Glauben an das Gute im Menschen und die Welt im Allgemeinen verloren, da stoßen wir in einer unauffälligen Seitenstraße auf DAS Café....Bar - was auch immer!

Es heißt "BöseBubenBar" und ich kann hier nur eine wärmste Empfehlung aussprechen, denn es scheint sich hierbei um einen wirklichen Geheimtipp zu handeln. (sagte die Neu-Berlinerin). Die Wände sind mit Büchern verkleidet, sogar die Speisekarten sind in echte Bücher eingeklebt, älteres Mobiliar und gemütliches Licht, eine Prise Shabby Chic - et voilá!
Ein paar (nur leicht verschwommene) Eindrücke, mitsamt meiner zauberhaften Ex-Mitbewohnerin.


Für alle, die in Berlin Mitte Nähe Friedrichstraße auf der Suche nach einem Heißgetränk bibbernd und bittend von Tür zu Tür gehen und à la Maria-und-Josef abgewiesen werden: Hier findet ihr ganz sicher immer ein warmes Plätzchen, ein Stück Kuchen und eine wunderschöne Atmosphäre, um sich ein bisschen die Seele streicheln zu lassen. Nur die liebe I., die ist leider nicht im Preis inbegriffen! 
(wobei...Studenten sind käuflich, es käme wahrscheinlich auf den Preis an..)

7. September 2014

Aussteigen.

Und kaum begrüßt man vorsichtig den Herbst, sortiert seine Sommerkleidung nach ganz unten in den Schrank und bereitet sich auf den ca. 6-monatigen Berliner Winterschlaf vor (Winterspeck anfuttern, Nüsse verstecken, Kohlen sammeln), WUMMS, kommt so ein Wetterchen wie gestern vorbei, winkt freundlich in die Kamera, verbreitet hochsommerliche Temperaturen und lässt uns fast vergessen, dass eigentlich ja schon September ist.

Und dann ist auch noch Samstag. *Ding-ding-ding*

Da gibts kein langes Knobeln, keine Diskussion: Das ist Ausflugswetter!
In Berlin ist es bekanntlich möglich, sein Leben lang nicht mal den kleinen Zeh über die Stadtgrenzen zu setzen, und trotzdem keinen einzigen Tag über Langeweile, fehlendes kulturelles Angebot oder Freizeit-Monotonie zu stöhnen. Warum es sich trotzdem lohnt allen Mut, alle Kräfte zusammenzunehmen, dem sprudelnden Stadtleben mal für ein paar Momente den Rücken zu kehren, und sich in die barbarische Wildnis zu wagen (die Berlin sicher umgeben muss) das weiß, wer sich mal die Mühe gemacht hat, in die nächste Bahn zu steigen und sich rund um die vielen Seen, die Berlin umgeben ein bisschen umzutun.
 Direkt am Wannsee gelegen, in enger Nachbarschaft zum Haus der Wannsee-Konferenz liegt die Liebermann-Villa. Die zu besuchen lohnt sich nicht nur für all jene, die sich an seiner Kunst erfreuen können, sondern auch für solche, die seinen wunderschönen Garten bewundern und vom hauseigenen Steg, den Blick über den Wannsee schweifen lassen wollen.
 Die Bilder im oberen Stockwerk der Villa zeigen Max Liebermanns Liebe zu seinem Garten, seinem Anwesen und seiner Familie. Ähnlich, wie Claude Monet machte er in seinem Spätwerk immer wieder seine direkte Lebensumgebung zum Sujet seiner Bilder.
 In der hektischen, lauten, oft nervösen Reizüberflutung des Berliner Alltags-Lebens tut es gut ein bisschen Atem zu holen, sich mit Pflanzen, Wasser, Kunst und Freunden zu umgeben und das Licht eines sonnigen Spätsommerabends auf einem Steg zu genießen.   
Ach Sommer, meinentwegen könntest du auch noch ein  Weilchen bleiben.